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Was ist, wenn die Wirkung ausbleibt?

Dieser Artikel ist ursprünglich im Philanthropie Aktuell #1/26 erschienen.


Wirkungsberichte über erfolgreiche Interventionen sind heute häufig Teil von Jahresberichten von NPO. Mindestens genauso spannend wäre es jedoch, auch über nichtwirksame Lösungswege zu lesen.


Nonprofit-Organisationen sind im ersten Sinne wert- und zweckgebundene Institutionen. Gegründet werden sie fast immer, um auf ein gesellschaftliches Problem zu reagieren. Eine bestimmte Situation wird als unbefriedigend wahrgenommen und es finden sich Menschen zusammen, die hier etwas gemeinsam unternehmen wollen. Auslöser sind oft die eigene Betroffenheit, oder aber die Empathie mit anderen und das Gefühl, etwas tun zu müssen. Ist der erhoffte Endzustand oftmals klar, so liegt die Herausforderung darin, den richtigen Weg dorthin zu finden. Die Geschichte ist gespickt mit wohlintendierten, aber dann leider auch ineffektiven oder am Problem vorbeiführenden Lösungsanstrengungen. Abhilfe kann eine konsequente Wirkungsorientierung schaffen. Doch was bedeutet dies? Im Grundsatz heisst dies, sich mit den Ursachen eines Problems auseinanderzusetzen und ehrlich zu analysieren, wo eine Organisation mit ihren begrenzten Mitteln einen Unterschied machen kann. Daraufhin gilt es zu prüfen, welche Interventionen am effektivsten helfen können und die dabei getroffenen Annahmen immer wieder zu hinterfragen.


Was ist Wirkung?

Wirkung bedeutet einen Beitrag dazu zu leisten, dass sich eine Situation wirklich verbessert. Nicht alles ist dabei messbar. Hat man aber die Möglichkeit über Indikatoren nachzuprüfen, ob eine Verbesserung stattfindet, dann sollte dies auch konsequent genutzt werden, um Anpassungen in der Intervention vorzunehmen, oder auch ganz ehrlich zuzugeben, dass die eigenen Lösungsansätze nicht funktioniert haben. Doch diese Ehrlichkeit ist selten zu finden. Auch wenn die sogenannten «failure stories», also der offene Austausch über Misserfolge vor 10 Jahren noch en vogue waren und Magazine wie das Stanford Social Innovation Review dem Thema jeweils extra Seiten eingeräumt haben, so ist es heute umso ruhiger um das Thema geworden. Zumindest reden heute NPO wenig in der Öffentlichkeit über revidierte oder widerlegte Wirkungsketten. Zu viel steht auf dem Spiel. Ehrlichkeit wird selten belohnt. Zu gross ist das Risiko, Spender oder Leistungsaufträge zu verlieren und die eigene Reputation zu beschädigen. Doch gerade das Gegenteil wäre wünschenswert.


Von anderen lernen

Lernen gelingt am besten im Austausch miteinander. Dafür braucht es sichere Räume, in denen das Reden über Scheitern erlaubt ist, ohne dass es sofort bewertet wird. Vielleicht muss das nicht in der Öffentlichkeit geschehen, auch wenn sich damit «falsche Nachahmer» vermeiden liessen. Spannend wäre eine transparente Kommunikation über die Ergebnisse von Wirkungsmessungen. Nicht nur über das, was gelungen ist, sondern auch über das, was Fragen offen lässt.


Organisationen könnten dann zeigen, wie sie auf die Ergebnisse reagiert haben und somit andere an ihrem Lernprozess teilhaben lassen. Dies wäre mindestens ebenso wünschenswert, wie die grosse Freude über die vielen Erfolgs- oder Wirkungsgeschichten, die wir jetzt wieder in den kommenden Jahresberichten lesen dürfen.

 
 
 

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