So fördern Stiftungen soziale Innovationen
- Dr. Steffen Bethmann

- vor 7 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Wie entstehen neue Lösungen für gesellschaftliche Probleme? Wer erkennt früh genug, dass bestehende Ansätze nicht mehr ausreichen? Und welche Rolle können Stiftungen spielen, wenn aus einer ersten Idee eine tragfähige soziale Innovation werden soll?
Diese Fragen sind aktueller denn je. Viele soziale und ökologische Herausforderungen lassen sich nicht mehr mit den Routinen der Vergangenheit bewältigen. Deshalb ist das Interesse an sozialen Innovationen stark gewachsen. Gemeint sind neue Lösungsansätze für gesellschaftliche Probleme, die bestehende Praktiken verändern und im besten Fall zu mehr Teilhabe, Lebensqualität, Wohlergehen, Nachhaltigkeit oder Gerechtigkeit beitragen.
Gerade Stiftungen scheinen dafür prädestiniert zu sein. Sie sind relativ unabhängig, nicht an Legislaturperioden gebunden und können Risiken eingehen, die Staat oder Markt oft vermeiden. Im Grunde sind sie nur an ihre Zweckbeschreibung gebunden. Sie können ihre Fördergelder in diesem Rahmen frei einsetzen.
Sind Stiftungen automatisch soziale Innovatoren?
Aber reicht das schon aus? Sind Stiftungen automatisch soziale Innovatoren?
Die kurze Antwort lautet: nein. Stiftungen können soziale Innovationen fördern, aber sie tun es nicht einfach aufgrund ihrer Rechtsform. Entscheidend ist, wie sie ihre Rolle verstehen, wie sie Strategien entwickeln und wie sie mit Partnern zusammenarbeiten.
Soziale Innovationen entstehen selten plötzlich. Sie beginnen meist mit Unzufriedenheit über einen bestehenden Zustand. Daraus entwickeln sich Ideen, Experimente und Pilotprojekte. Erst wenn sich ein Ansatz bewährt, dauerhaft verankert und verbreitet wird, kann aus einer guten Idee eine soziale Innovation werden.
Wo Stiftungen im Innovationsprozess ansetzen können
Genau hier stellt sich für Stiftungen eine zentrale Frage: In welcher Phase des Innovationsprozesses wollen sie wirken?
Manche Stiftungen setzen früh an. Sie ermöglichen Experimente, finanzieren Pilotprojekte oder geben mutigen Akteuren den nötigen Freiraum, um Neues auszuprobieren. Andere konzentrieren sich darauf, erfolgreiche Ansätze zu verstetigen, zu verbreiten oder politisch anschlussfähig zu machen. Wieder andere bringen Akteure zusammen, die allein keine tragfähige Lösung entwickeln könnten.
Doch jede dieser Rollen bringt eigene Herausforderungen mit sich. Wer Experimente fördert, muss mit Unsicherheit umgehen können. Wer Skalierung unterstützt, muss verstehen, welche Bedingungen nötig sind, damit ein Ansatz an anderen Orten funktioniert. Wer systemischen Wandel anstrebt, braucht Geduld, strategische Klarheit und die Fähigkeit, mit Komplexität zu arbeiten.
Geld allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie Stiftungen ihre Rolle verstehen, Strategien entwickeln und mit Partnern zusammenarbeiten.
Warum Strategie und Partnerschaften entscheidend sind
Eine wichtige Erkenntnis aus der Forschung zu Stiftungen und sozialen Innovationen ist deshalb: Geld allein reicht nicht. Förderstiftungen setzen soziale Innovationen in der Regel nicht selbst um. Sie sind in einem gewissen Sinne «unvollständige Institutionen». Sie sind auf Partner angewiesen, die Ideen entwickeln, testen und in die Praxis tragen.
Damit wird die Qualität der Förderbeziehung entscheidend. Versteht sich die Stiftung nur als Geldgeberin? Oder begleitet sie ihre Partner, öffnet Netzwerke, stärkt Kompetenzen und denkt mit, wie aus einem Projekt mehr werden kann?
Ebenso wichtig ist die Frage nach der Strategie. Innovationsförderung bedeutet nicht, möglichst viele neue Projekte zu unterstützen. Entscheidend ist vielmehr, ob eine Stiftung systematisch auf die Veränderung eines gesellschaftlichen Zustands hinarbeitet. Manche Stiftungen tun dies über fokussierte Nischen, andere über grössere Programmlinien oder über die Kombination verschiedener Förderansätze.
Welche Interventionsfelder Stiftungen nutzen können
Bei Con·Sense unterscheiden wir zwischen sechs grösseren Interventionsfeldern. Je nach dem spezifischen Problem, welches gelöst und welche Wirkung erzielt werden soll, können Stiftungen wichtige Impulse setzen. Umso mehr Stiftungen selbst den Anspruch haben als soziale Innovatoren aufzutreten, desto eher kombinieren sie verschiedene Interventionen und arbeiten in Partnerschaft mit Akteuren aus allen gesellschaftlichen Sektoren zusammen. Es geht nicht nur darum neue Ansätze zu entwickeln, sondern auch sicherzustellen, dass die besseren Lösungen zur neuen Routine werden und sich ggf. verbreiten.

Die eigene Rolle bewusst wählen
Die Herausforderung liegt darin, die eigene Rolle bewusst zu wählen. Soll die Stiftung Impulsgeberin sein? Risikoträgerin? Brückenbauerin? Lernpartnerin? Feldentwicklerin? Oder eine Kombination davon?
Genau an diesem Punkt wird soziale Innovationsförderung anspruchsvoll. Sie verlangt mehr als gute Absichten. Sie braucht ein Verständnis des Problems, eine realistische Einschätzung der eigenen Ressourcen, geeignete Partner, Lernbereitschaft und eine Strategie, die offen genug bleibt, um auf neue Erkenntnisse zu reagieren.
Fazit: Soziale Innovation braucht bewusste Rollenklärung
Die Dissertation von Senior Consultant Dr. Steffen Bethmann «Stiftungen und soziale Innovationen – Strategien zur Lösung gesellschaftlicher Probleme», auf der diese Überlegungen basieren, zeigt: Stiftungen sind keine automatischen Innovatoren. Aber sie können Innovationsprozesse wesentlich prägen, wenn sie ihre Unabhängigkeit, ihr Kapital, ihre Netzwerke und ihre Deutungsmacht bewusst einsetzen.
Für Stiftungen stellt sich damit weniger die Frage, ob sie innovativ sein wollen. Die interessantere Frage lautet: Welche Art von Innovation wollen sie ermöglichen, mit wem, in welcher Phase und mit welchem Anspruch?
Wer diese Fragen ernst nimmt, kann aus Fördermitteln Möglichkeitsräume schaffen. Genau dabei können wir von Con·Sense Philanthropy Consulting Stiftungen unterstützen: bei der Klärung ihrer Rolle, der Entwicklung geeigneter Förderstrategien und der Gestaltung von Prozessen, in denen soziale Innovationen entstehen, wachsen und Wirkung entfalten.
Gerne stehen wir für ein unverbindliches Erstgespräch zur Verfügung, falls Du Interesse daran hast, einen Strategieprozess durch eine externe Person zu begleiten lassen. >contact@teamconsense.ch




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