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Vom Vorkonzept zur Förderpraxis für Digitale Kultur

vor 10 Minuten
4 Min. Lesezeit


2023-2024 durften wir die Grundlagen für einen neuen Förderbereich mitentwickeln. Im Herbst 2025 folgte der Start des dreijährigen Förderpilots für Digitale Kultur bei der Zürcher Filmstiftung. Rund ein Jahr später blicken wir darauf, was aus den Vorarbeiten entstanden ist. Oliver Miescher, Verantwortlicher Fachbereich Digitale Kultur, erzählt im Interview, welche Grundlagen sich bewährt haben, was die Förderung noch lernen muss und weshalb langfristige Unterstützung gerade in einem schnelllebigen Feld wichtig ist.

Oliver Miescher, Verantwortlicher Fachbereich Digitale Kultur
Oliver Miescher, Verantwortlicher Fachbereich Digitale Kultur

2023-2024 die Grundlagen für ein neues Förderfeld schaffen

Con·Sense durfte im Auftrag der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich ein Vorkonzept für die Förderung Neuer Medien und Games entwickeln. Im Fokus standen dabei digitale künstlerische Ausdrucksformen wie Games, Extended Reality (XR) und interaktive narrative Formate, die sich zwischen Kultur, Technologie und neuen Erzählformen bewegen. Ausgangspunkt war eine Studie des Zurich Centre for Creative Economies der Zürcher Hochschule der Künste. Digitale Kultur umfasst dabei nicht nur digitale Werkzeuge für bestehende Kunstformen, sondern eigenständige künstlerische Formen, die neue Arten des Erlebens und der Teilhabe ermöglichen. Die Studie empfahl, den neuen Förderbereich langfristig in die Zürcher Filmstiftung zu integrieren und zunächst in einer mehrjährigen Pilotphase zu testen.


Unser Auftrag war es, diese Empfehlung in konkrete Fördermodelle zu übersetzen. Der dafür entwickelte Prozess setzte auf die Beteiligung der Branche und weiterer Anspruchsgruppen: Bedürfnisse verstehen, mögliche Modelle erarbeiten und diese mit den Beteiligten prüfen und weiterentwickeln. Dabei ging es auch um die Schnittstellen zu Forschung und Wirtschaft sowie um die Frage, wie die Förderung für künftige digitale Entwicklungen offen bleiben kann.


Am 13. Januar 2025 bewilligte der Zürcher Kantonsrat einen Kredit von 4,5 Millionen Franken für den dreijährigen Pilot. Die Aufnahme der Fördertätigkeit wurde für Herbst 2025 angekündigt. Damit ging das Vorhaben von der konzeptionellen Vorbereitung in die Umsetzung über. Medienmitteilung des Kantons Zürich


Ein Start mit grossem Interesse

«Uns haben im ersten Jahr so viele Anträge erreicht, wie für den gesamten dreijährigen Pilot erwartet wurden.» Oliver Miescher blickt auf einen Start zurück, der die Erwartungen deutlich übertroffen hat.


Fast 300 Anfragen zur Förderung in den ersten sechs Monaten und mehr als 130 Anmeldungen für die erste Informationsveranstaltung: Die Resonanz auf den neuen Förderbereich war gross. Dass in der Region Zürich ein Bedürfnis nach Förderung Digitaler Kultur besteht, hatten bereits die Vorstudien gezeigt. Das tatsächliche Ausmass überraschte aber auch Miescher.


«Überraschend war das extrem hohe Interesse der Zürcher Branche», erzählt er. Für die Filmstiftung bedeutete das, mit deutlich mehr Nachfrage umzugehen als vorgesehen. Umso wichtiger waren die Vorarbeiten: «Aus diesem Grund waren wir froh, dass wir durch das von Consense erarbeitete Vorkonzept eine gute Grundlage hatten, mit der wir arbeiten konnten.»


Miescher war während der Entwicklungsphase noch nicht bei der Filmstiftung tätig. Die Ergebnisse halfen ihm jedoch bei der Umsetzung: «Das durch Consense erstellte Reglement, die formulierten Richtlinien und die erarbeitete Abgrenzung des Fördergebiets waren eine gute Diskussionsgrundlage, die uns beim Aufsetzen der Rahmenbedingungen der Förderung geholfen hat.»



Mit Kunstschaffenden weiterdenken

Für Miescher ist der Pilot vor allem eine Gelegenheit, aus der Förderpraxis zu lernen. Am Ende soll ein Vorschlag stehen, wie eine passende Förderung Digitaler Kultur im Kanton Zürich langfristig aussehen könnte. Dafür braucht es aus seiner Sicht die Bereitschaft, Annahmen zu überprüfen und die eigene Praxis anzupassen.

«Es ist wichtig, dass wir als Förderer mit den Ansprüchen der Künstler:innen mitwachsen und darauf reagieren können.»

Der Kontakt zur Branche bleibt deshalb auch nach der Entwicklung des Fördermodells zentral. «Deswegen sind wir auch in ständigem Austausch mit der Branche der Digitalen Kultur, die wir in unsere Reflexionsprozesse einbinden.» Ihre Erfahrungen sollen helfen, die Förderung an den tatsächlichen Bedürfnissen auszurichten.


Dass diese Weiterentwicklung bereits stattfindet, zeigt der aktuelle Stand: Seit dem 1. September 2026 gilt ein revidiertes Förderreglement. Die Filmstiftung passt die Grundlagen während der Pilotphase an und konkretisiert sie anhand der Erfahrungen aus der Praxis. Aktueller Stand der Förderung


Dabei interessiert Miescher besonders das künstlerische Potenzial des Feldes: «Oft sind es die Künstler, die neuen Technologien anwenden und testen.» Sie erproben, was mit den Medien möglich ist, reizen deren Grenzen aus und geben ihnen neue Bedeutungen.


Was verändert die Förderung tatsächlich?

Das grosse Interesse zeigt, dass das Angebot auf Nachfrage trifft. Welche Wirkung es entfaltet, ist eine weiterführende Frage. Zum Zeitpunkt des Interviews war die Filmstiftung noch dabei, die Wirkungsmessung zu konkretisieren. Miescher erwartet dabei vor allem einen künstlerischen und kulturellen Fokus.

Ihn interessiert, ob die Förderung die künstlerische Qualität der Projekte beeinflusst und welche Entwicklungsmöglichkeiten sie für Künstler eröffnet. Auch Veränderungen in Arbeitsprozessen und Finanzierung sollen betrachtet werden: Werden grössere Projekte möglich? Wie entwickeln sich Teamstrukturen und Honorare?


Darüber hinaus sieht er Potenzial für neue kulturelle Zugänge. Digitale Kreationen könnten insbesondere jüngere Menschen ansprechen, die sich von traditionellen Medien weniger angesprochen fühlen. Ob und wie dadurch kulturelle Teilhabe entsteht, wäre für ihn eine wichtige Frage.


Wirkung braucht Zeit

Bei aller Dynamik des Feldes betont Miescher die Bedeutung von Verlässlichkeit: «Damit die Fördermechanismen wirken, braucht es substanzielle und langfristige Förderung, die eine Sicherheit und Stabilität der Branche ermöglichen.»


Denn Projekte der Digitalen Kultur haben, ähnlich wie Filme, oft mehrjährige Produktionszyklen. Ihre Entwicklung und die Wirkung der Förderung lassen sich deshalb erst über längere Zeit beurteilen. «Der dreijährige Pilot ist in seiner Länge sehr knapp bemessen, um grosse Veränderungen zu bewirken.»


Für eine langfristige Förderung wünscht er sich zugleich genügend Flexibilität, um auf wechselnde Bedürfnisse reagieren zu können. Rund drei Jahre nach der Arbeit am Vorkonzept sehen wir, wie dessen Grundlagen in der Praxis genutzt und weiterentwickelt werden. Hier verbindet sich Mieschers Erfahrung aus der Umsetzung mit unserem Ansatz in der Entwicklung: Klare Grundlagen geben Orientierung. Der Dialog mit der Branche und die Auswertung der Erfahrungen helfen, diese Grundlagen weiterzuentwickeln.


Möchten Sie Ihr Förderkonzept weiterentwickeln oder neu aufsetzen? Gerne begleiten wir Sie dabei und stehen für ein unverbindliches Erstgespräch zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns gerne unter >contact@teamconsense.ch 


 
 
 

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