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Förderung zwischen Verlässlichkeit und Veränderung - Wie Förderung mit neuen Entwicklungen Schritt halten kann

vor 2 Stunden
2 Min. Lesezeit

Wie kann Förderung langfristige Partnerschaften ermöglichen und gleichzeitig offen für neue Akteur:innen, veränderte Bedarfe und neue Formen des Kulturschaffens bleiben? Diese Frage stellt sich aktuell bei der Weiterentwicklung der institutionellen Musikförderung der Stadt Zürich.

Con·Sense hat Kultur Stadt Zürich in einer ersten Projektphase begleitet. Wir haben die bestehende Förderung analysiert, eine breite Befragung der Zürcher Musikinstitutionen durchgeführt und gemeinsam mit der Stadt partizipative Begegnungsformate mit der Musikszene konzipiert und moderiert. Daraus ist ein umfangreicher Grundlagenbericht mit einer Analyse des Musikökosystems und Empfehlungen für die Weiterentwicklung der institutionellen Förderung entstanden. Viele der Fragen, die uns dabei begegnet sind, stellen sich auch andere Stiftungen und Förderorganisationen. Aus unserer Arbeit nehmen wir vor allem vier Punkte mit:

1. Nicht beim bestehenden Portfolio anfangen, sondern bei der Frage nach der Wirkung. Wer ein historisch gewachsenes Fördermodell überprüft, landet schnell bei der Frage: Welche Organisation erhält heute wie viel Geld? Hilfreicher ist zunächst ein Schritt zurück: Was soll die Förderung eigentlich erreichen? Erst wenn diese Frage geklärt ist, lassen sich sinnvolle Förderkriterien ableiten. Im Kulturbereich kann das beispielsweise bedeuten, nicht nur die Anzahl von geförderten Veranstaltungen zu betrachten, denn wenn die Förderung einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten soll, werden andere Fragen wichtig: Wird ein vielfältiges Publikum erreicht? Entstehen Zugänge für Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen? Finden unterschiedliche Formen des Kulturschaffens ihren Platz?

2. Verlässlichkeit nicht mit Bestandsgarantie verwechseln. Langfristige Förderung ist wertvoll. Sie ermöglicht Organisationen, Personal aufzubauen, Programme zu planen und Beziehungen zu entwickeln. Gleichzeitig können dadurch über Jahre grosse Teile eines Förderbudgets gebunden sein. Für neue Akteur:innen oder neue Formen des Schaffens bleibt dann unter Umständen wenig Raum. Ein gutes Fördermodell braucht deshalb beides: Planungssicherheit für Förderpartner:innen und klare Zeitpunkte, an denen überprüft wird, ob Förderungen weiterhin zu den strategischen Wirkungszielen passen. Transparente Kriterien und definierte Überprüfungszyklen schaffen dabei nicht weniger, sondern mehr Verlässlichkeit, weil die Erwartungen für beide Seiten klar sind.

3. Nicht nur mit denjenigen sprechen, die bereits gefördert werden. Bestehende Förderpartner:innen sind bekannt, organisiert und gut erreichbar. Wer ausschliesslich mit ihnen arbeitet, läuft jedoch Gefahr, ein bestehendes System aus deren eigener Logik heraus weiterzuentwickeln. Im Zürcher Prozess war uns deshalb wichtig, sowohl institutionell geförderte als auch bisher nicht institutionell geförderte Akteur:innen einzubeziehen. Neben einer breiten Befragung haben wir gemeinsam mit Kulturabteilung der Stadt Zürich zwei World Cafés organisiert, in denen unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht wurden. Gerade diejenigen Stimmen, die im bestehenden Fördersystem bislang weniger sichtbar sind, können wichtige Hinweise auf Zugangshürden und neue Entwicklungen geben.

4. Ein Fördermodell nie als fertig betrachten. Auch ein sorgfältig entwickeltes Modell basiert auf Umfeldfaktoren, die sich laufend verändern. Wirkungsorientierung bedeutet deshalb nicht nur, die Wirkung geförderter Organisationen zu beobachten. Entscheidend ist, von Anfang an mitzudenken, wie Erkenntnisse aus der Umsetzung wieder in strategische Entscheidungen einfliessen. So kann verhindert werden, dass an der Realität vorbeigefördert wird und die Förderung gesellschaftliche Relevanz und Wirkung erzielt.

Verlässlichkeit und Veränderung sind damit kein Widerspruch. Gute Förderung schafft Orientierung für heute und genügend Beweglichkeit für morgen.

 


Mehr zum Projekt

Vertiefte Einblicke in die Ergebnisse und Empfehlungen der ersten Projektphase bietet der Grundlagenbericht der Stadt Zürich.

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