NPO zwischen Wettbewerb und Kollaboration
- Dr. Sophie Hersberger-Langloh

- 8. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Dieser Artikel erschien ursprünglich im Philanthropie Aktuell #4/22
Knappe Ressourcen, eine steigende Anzahl von Nonprofit-Organisationen (NPO) und hohe Anforderungen an Effizienz und Effektivität setzen NPO unter Druck. Wie können NPO im Spannungsfeld von Wettbewerb und Kollaboration navigieren?
Wettbewerb zwischen NPO wurde lange als non-existent betrachtet. Schliesslich, so wurde von vielen Seiten argumentiert, dienen ja alle NPO schlussendlich der Gesellschaft und setzen sich für ähnliche Ziele ein. Aber eine Besonderheit von NPO ist eben, dass sie auf unterschiedlichen Märkten und in einem Multi-Stakeholder-Umfeld aktiv sind. Irgendwo in dieser Umgebung sind fast alle NPO von Wettbewerb betroffen – sei es um Spendengelder, Freiwillige oder Mitglieder. NPO, die Erträge aus kommerziellen Aktivitäten generieren möchten oder sich um öffentliche Ausschreibungen bewerben, befinden sich oftmals sogar im Wettbewerb mit gewinnorientierten Unternehmen. Forschungsergebnisse der letzten zwanzig Jahre zeigen auf jeden Fall, dass der Wettbewerbsdruck im dritten Sektor in vielen Ländern deutlich zugenommen hat. Die Konsequenzen dieses Wettbewerbsdrucks sind unterschiedlich, je nachdem auf welchem Markt oder um welche Stakeholdergruppe von NPO dieser auftritt. Nicht immer führt er zu einer erhöhten Effizienz und mehr Innovation, wovon man in der freien Marktwirtschaft ausgeht. Oftmals hat er zur Folge, dass NPO zunehmend bürokratisiert werden und beispielsweise der Aufwand, um Fördergelder von Stiftungen oder einen Leistungsvertrag mit der öffentlichen Hand zu erhalten, immer grösser wird. Diese Stunden müssen dann natürlich wieder in einem Projekt ausgewiesen werden, da sonst der Overhead, den man Spendenden und Kontrollinstanzen zuliebe gerne tief halten würde, ansteigt.
SDG 17: Partnership for the goals
Aber auch angesichts dieses zunehmenden Wettbewerbs stimmt es eben letztlich doch, dass NPO ihre Daseinsberechtigung haben, weil sie der Gesellschaft dienen, wo Markt und Staat das (noch) nicht tun, und sich dort für ähnlich grosse Ziele einsetzen. Und um tatsächlich etwas zu erreichen – Stichwort: Systemwandel! – braucht es Synergien und Kapazitäten, die oftmals nur in der Kollaboration mit anderen Akteuren zu erreichen sind. Die UN ruft im letzten der siebzehn Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zur «Partnership for the goals» (dt. Partnerschaft für die Ziele) zwischen Sektoren und Ländern auf – damit sind auch NPO gemeint. Partnerschaften bieten auch einen Weg, mit potentieller Konkurrenz in einem ähnlichen Tätigkeitsbereich umzugehen. Geldgeber fordern dies zunehmend sogar ein, indem sie beispielsweise nur Fördergelder sprechen, wenn eine Organisation auch Kollaborationspartner angeben kann. Und wir beobachten in unserer Arbeit, dass operativ tätige NPO unter anderem dadurch zunehmend systematisch und strategisch an die Suche nach anderen Stakeholdern, die am gleichen Ziel arbeiten, herangehen.
Das WHY im Fokus
Sowohl im Umgang mit dem erhöhten Wettbewerb als auch in Bezug auf die Notwendigkeit, sich geeignete Partner für die eigene Arbeit zu suchen, hilft eine klare Positionierung. Dabei ist entscheidend, dass die NPO nicht primär auf das «Was» (sie tut…) oder «Wie» (sie ihr Ziel erreicht…) fokussiert, sondern auf ihr «Warum» - ihr WHY. Dieses Warum motiviert das eigene Team, potenzielle Freiwillige und Geldgeber, sich mit ihren Ressourcen an der Mission zu beteiligen. Aber es schafft auch eine gemeinsame Basis für gelungene Partnerschaften mit anderen Organisationen, die vielleicht auf eine ganz andere Weise am gleichen Ziel arbeiten.
Die Aufgabe von Förderorganisationen
Viele Förderer versuchen schon, wie bereits erwähnt, ihre Grantees zu ermutigen, sich Kollaborationspartner zu suchen. Doch statt dies nur zu einer Bedingung für eine Förderung oder einen Leistungsvertrag zu machen, könnten Geldgeber noch weiter gehen und als «Facilitators» helfen, die richtigen Akteure zusammenzubringen. Gerade Förderstiftungen, die mit vielen NPO in Kontakt kommen und sich vertieft mit einem Förderbereich auseinandergesetzt haben, erkennen einfacher, wo ein gemeinsames WHY vorhanden ist oder sein könnte. Warum nicht diese Akteure einmal gemeinsam an einen Tisch bringen und so Austausch und Kooperationen fördern? Und dann aber solche zeitlichen Aufwände und Bemühungen seitens NPO auch in ihren jeweiligen Budgets und Projektanträgen einplanen lassen. Together for the goals!




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