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Kollaborative Philanthropie: Mehr als ein Trend!

Dieser Artikel ist ursprünglich im Schweizer Stiftungsreport 2025 erschienen.


Kollaborative Philanthropie verspricht mehr Wirkung durch koordinierte Strategien, grössere Finanztöpfe, vereinfachte Prozesse und gebündeltes Wissen. Doch wie lassen sich Kooperationen aufbauen und deren Herausforderungen meistern? Der Schlüssel liegt in einem klaren, gemeinsam definierten Wirkungsrahmen, kombiniert mit Transparenz und dem nötigen Handlungsspielraum für die Mitwirkenden in der Umsetzung.


Beschränkte Mittel und Wirkungsmöglichkeiten bei komplexen Problemen

Unsere Gesellschaft steht vor grossen Aufgaben: Die heutigen Herausforderungen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit und digitale Transformation sind komplex und eng miteinander verknüpft. Die relativ geringen Volumen, kurzen Zeithorizonte und starren Zielvorgaben der klassischen, bilateralen Projektförderung eignen sich entsprechend immer weniger zur nachhaltigen und ganzheitlichen Lösung unserer Probleme. Dies gilt umso mehr, als dass Förderstiftungen über begrenzte eigene Mittel verfügen. Vor diesem Hintergrund betont der Swiss Foundation Code, dass Stiftungen Kooperation als Förderinstrument regelmässig prüfen sollten, um ihrer Verpflichtung zur Wirksamkeit nachzukommen. Einer der grössten Mehrwerte kollaborativer Philanthropie liegt in der Bündelung finanzieller Ressourcen. Durch die gemeinsame Finanzierung können Vorhaben und Organisationen rascher, längerfristig und mit einer grösseren Breitenwirkung realisiert und gestärkt werden. Erfolgreiche Projekte können zudem einfacher auf weitere Zielgruppen oder in zusätzliche Regionen skaliert werden. Die Vorteile von Förderkooperationen gehen allerdings über die Grösse der Fördertöpfe hinaus: Die koordinierte Umsetzung der Fördermittel entlang gemeinsamer Ziele, der Austausch über Erfahrungen und Wissen unter den Beteiligten oder das gemeinsame Vorgehen in der Gesuchsevaluation und beim Reporting sorgen nicht nur für mehr Effizienz, sondern auch für mehr Effektivität. Aufseiten der Geförderten schafft kollaborative (Kern-)Finanzierung zudem mehr Planbarkeit, Fokus und Handlungsspielraum. Im Gegensatz zum Modell der kurzfristigen, bilateralen Projektförderung bieten Kooperationen folglich ein viel grösseres Potenzial für Stiftungen, die von Umwelt und Gesellschaft geforderte nachhaltige und ganzheitliche Wirkung zu erzielen. Dennoch tun sich viele Stiftungen schwer, Kollaborationen einzugehen. Oft scheitert es schon daran, passende Partner:innen und Vorhaben zu finden. Dann hört man im Beratungsalltag immer wieder die Fragen, ob eine gemeinsame Förderung kompatibel mit den eigenen Förderprozessen und -instrumenten sei, wie man zu Ressourcen für die Koordination mit anderen Stiftungen komme und welche Wirkungsmodelle und -reportings es für kollaborative Kernfinanzierungen gebe.


Faktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Partnerschaften bringen in der Umsetzung tatsächlich ein paar Herausforderungen mit sich. Ein häufiges Problem sind unterschiedliche Organisationskulturen und Entscheidungsprozesse, die insbesondere zu Beginn viel Abstimmung und genügend Zeit für Kennenlernen und Austausch erfordern. Während grosse Stiftungen eher über Strukturen und Ressourcen für kooperative Förderungen verfügen, müssen kleinere ihre personelle Kapazität für den Aufbau und die Umsetzung gemeinsamer Vorhaben bewusst einsetzen. Kooperationen basieren zudem stark auf Vertrauen und Verbindlichkeit. Umso bedeutsamer ist es, dass ein paar entscheidende Faktoren berücksichtigt werden:

  • Strategisch verankern: Auf individueller Ebene der beteiligten Stiftungen ist es zentral, dass Kollaborationen vom Grundsatz her durch den Stiftungsrat befürwortet werden. Im Idealfall wird diese wirkungsvolle Form der Förderung in einer Förderstrategie festgehalten. So hat die Geschäftsstelle, falls es eine gibt, Rückendeckung bei allfälligen Verhandlungen im Verbund.

  • Klaren Rahmen schaffen: Für die Zusammenarbeit selbst liegt ein grosser Teil der Lösung in der Festlegung von Prinzipien zu Transparenz, Kommunikation und Entscheidungsfindung und insbesondere in der gemeinsamen Definition von Wirkungszielen. In anderen Worten: Anstatt zu viele Details zu regeln, sollten kooperierende Stiftungen einen klaren Rahmen der gewünschten Veränderung (gemeinsam mit den Destinatär:innen) entwickeln und ihre Erwartungen, Beiträge und Prozesse transparent teilen.

  • Flexibilität gewährleisten: Während der Umsetzung kann innerhalb des festgelegten gemeinsamen Rahmens, sofern gewünscht, jede Stiftung mit eigenen Fördermassnahmen agieren oder aber von Instrumenten und Dienstleistungen grösserer Stiftungen profitieren. So bleibt genügend Flexibilität für individuelle Umsetzungen erhalten. Dieser Handlungsspielraum sollte seinen Erfolg allerdings nicht nur am Funktionieren der gemeinsamen Mittelvergabe messen, sondern primär an der Stärkung und Wirkung der geförderten Vorhaben und Organisationen.


Ein gemeinsamer inhaltlicher Nenner sowie eine gute Balance zwischen Flexibilität und struktureller Verbindlichkeit sind somit gefragt. Dies bestätigten auch die nachfolgenden Kurzporträts dreier Kooperationsbeispiele. Während informelle Netzwerke schnell reagieren können, bieten formalere Strukturen wie Fonds höhere Planungssicherheit. Jede Kooperation sollte ihr eigenes Modell entwickeln, das den beteiligten Akteuren entspricht. Wichtig ist schliesslich auch ein gemeinsames Verständnis zur Wirkung und deren Messbarkeit. Der vielerorts verbreitete Wunsch nach Kausalität und Attribution (unser Beitrag hat dieses Projekt bewirkt) aus der bilateralen Projektförderung muss um agiles und systemisches Denken und gemeinsam definierte Wirkungsziele erweitert werden.


Die Zukunft der Philanthropie ist kollaborativ

Wie aufgezeigt, reichen isolierte Förderstrategien und die Logik bilateraler Projektfinanzierungen nicht aus, um unsere komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen. Stiftungen müssen entsprechend Allianzen ernsthaft prüfen und gezielt eingehen, untereinander, aber auch mit weiteren Akteuren wie mit der Wirtschaft, der Wissenschaft oder dem öffentlichen Sektor. Potenzial gibt es auch in der inhaltlichen Erweiterung kollaborativer Philanthropie. Nebst der hier argumentierten Zusammenarbeit beim gemeinsamen Fördern sind Kooperationen etwa im Transfer und der Vermittlung von Wissen oder bei Finanzanlagen, wo Nachhaltigkeit und Wirksamkeit ebenso Themen sind, denkbar und erstrebenswert. Kollaborative Philanthropie ist somit keine vorübergehende Entwicklung, sondern eine notwendige Weiterentwicklung des Stiftungswesens. Der erste Schritt als Förderstiftung: sich der eigenen begrenzten Mittel bewusst werden und eine Förderstrategie entwickeln, welche anschlussfähig ist an die Ansätze und Wirkungsziele zentraler Stakeholder. Dazu braucht es den aktiven Austausch mit Destinatär:innen und anderen Stiftungen. Ebenso hilfreich ist die Nutzung gemeinsamer Plattformen wie der im Januar 2025 von SwissFoundations lancierten Future-Proof Funding Initiative.


Digitale Kollaborationstools  

Stiftungen können verschiedene digitale Tools nutzen, um ihre Zusammenarbeit und Kollaboration zu verbessern. Es gilt die entsprechenden Datenschutzbestimmungen vorgängig zu prüfen.   

  • Die Listen- oder Netzwerkfunktion von spheriq bietet eine Plattform für organisationsübergreifende Kollaborationen und die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen.  

  • Projektmanagement-Tools wie Trello, Monday.com oder Microsoft Teams Planner helfen, gemeinsame Aufgaben zu planen und zu verwalten. Zudem ist Miro als Online-Wandtafel eine weitere gängige Kollaborationsplattform.

  • Kommunikationstools wie Teams Chat oder Slack erleichtern die direkte Kommunikation.

  • Für Dateiablage und -austausch werden unter anderem Microsoft Sharepoint oder Google Docs häufig genutzt.

 
 
 

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