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Fundraising & Wirkung - ein Spannungsfeld

Dieser Artikel ist ursprünglich im Philanthropie Aktuell #4/24 erschienen.


Fundraising und Wirkungsberichterstattung sind eng miteinander verbunden. Doch häufig steht diese Verbindung im Spannungsfeld. Wie können NPO und Förderorganisationen ihre Zusammenarbeit so gestalten, dass beide das Potenzial von Wirkungsarbeit besser nutzen können?


Beobachtung 1: NPO sind den Förderstiftungen voraus

Förderstiftungen und Nonprofit-Organisationen (NPO) bewegen sich oft auf unterschiedlichen Ebenen der Wirkungsorientierung – mit Konsequenzen für beide Seiten. Laut der jüngsten CEPS-Erhebung richten 56 % der NPO ihre Arbeit an den gewünschten gesellschaftlichen Veränderungen aus. Auch wenn längst nicht alle ihre Wirkungen messen, so ist dieser Fokus auf Wirkung doch erfreulich: Wirkungsziele legen fest, welche positiven Entwicklungen in der Gesellschaft oder bei Zielgruppen erreicht werden sollen. Sie ermöglichen damit den NPO, sich auf eine gemeinsame Stossrichtung zu einigen, die über sichtbare Resultate hinausgeht und das grosse Ganze in den Blick nimmt. Wirkungsmessung hilft zudem den NPO, den Erfolg ihrer Arbeit zu überprüfen, Anpassungen vorzunehmen und Erfolge nach aussen zu kommunizieren. Wirkungsbelege machen aus vagen Erfolgsversprechen klare Nachweise. Wirkungsarbeit ist somit, würde man meinen, eine wesentliche Grundlage für ein erfolgreiches Fundraising. Aber stimmt diese Aussage mit auch?

Schauen wir uns die Förderstiftungen an. Für diese Gruppe gibt es noch keine verlässlichen Daten zur Wirkungsarbeit, weshalb hier lediglich Mutmassungen angestellt werden können. Laut dem Grantee Review Report des CEPS aus dem Jahr 2019 setzen 93% auf klassische Projektförderung. Dass eine überwältigende Mehrheit der Förderorganisationen in einer punktuellen Projektlogik fördert, weist darauf hin, dass sie das Potenzial von wirkungsorientierten Ansätzen, welche oft eine mehrjährige Förderung ganzer Organisationen (Core Funding) zur Folge haben, noch wenig nutzen.

Auch in der Beratungstätigkeit von Con·Sense stellen wir fest, dass bei Förderorganisationen trotz langjähriger Empfehlungen, wie etwa im Swiss Foundation Code, noch immer eine Minderheit auf der Grundlage von Wirkungszielen fördert.

Welche Konsequenzen hat dieser Rückstand für NPO, welche mit Wirkungszielen arbeiten? Hier hören wir zweierlei: Förderorganisationen, dich nicht wirkungsorientiert fördern, verlangen primär quantitative Outputs und zeigen wenig Interesse an Outcomes. Jene NPO, deren Gesuche sich bewusst nicht auf Teilprojekte, sondern auf ihre gesamte NPO beziehen, um grössere, organisationsübergreifende Förderbeiträge zu erhalten, bekommen die Aufforderung, doch für ein einzelnes Projekt einzugeben. Das bedeutet, dass die NPO ihre knappen Ressourcen in ein zeitraubendes Projekt-Fundraising stecken müssen und sich ihre Wirkungsarbeit zumindest auf Fundraisingebene bei weitem nicht überall bezahlt macht.


Beobachtung 2: Legitimation auf Kosten der Weiterentwicklung

Das Gegenteil allerdings ist nicht weniger problematisch: Förderstiftungen, die wirkungsorientiert arbeiten, die also nur Förderbeiträge sprechen, wenn die antragstellende Organisation dieselben Wirkungsziele verfolgt, stellen zuweilen so detaillierte Anforderungen an Wirkungsmodelle, dass NPO gezwungen sind, diese eigens für dieses eine Gesuch zu erstellen. Statt Wirkungsmessung als strategisches Steuerungselement für die eigene Organisation zu nutzen, wird sie zu einem Mittel, um den individuellen Anforderungen der Fördernden zu entsprechen. Erschwerend hinzu kommt, dass die Arbeit mit Wirkungsmessung eine Haltung voraussetzt, die Fehler als wertvolle Quelle für Weiterentwicklung erkennt. Nicht alle Geldgeber:innen leben diese Fehlerkultur. Und auch wenn sie es tun: Wer will schon eingestehen, dass die Ziele nicht vollumfänglich erreicht wurden? Gerade in einem stark kompetitiven Förderumfeld herrscht oft die Angst vor negativen Konsequenzen, wenn ehrliche Einblicke in Misserfolge gegeben werden. Wenig erstaunlich, dass dabei das Lernpotenzial von Wirkungsmessung oft auf Kosten der Legitimation geht. Die Wirkungsarbeit bindet damit nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern sie verkommt auch zu einer reinen Alibiübung.


Dialog als Schlüssel

Was braucht es, um Fundraising und Wirkungsarbeit konstruktiv zu verbinden? Ein verstärkter Dialog zwischen Fördernden und NPO und der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses und einer ausgeprägten Lernkultur ist entscheidend. Gemeinsam formulierte Wirkungsziele und flexiblere Ansätze seitens Förderstiftungen schaffen Raum für langfristige gesellschaftliche Veränderungen. Damit das Potenzial von Wirkungsarbeit genutzt werden kann, müssen Fundraising und Wirkungsarbeit Hand in Hand gehen.

 
 
 

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