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Drei Trends, die NPO in den kommenden Jahren beschäftigen werden

Wenn ich heute drei zentrale Entwicklungen nennen müsste, die die Zukunft von Non-Profit-Organisationen prägen werden, wäre die Versuchung gross, einfach dreimal dasselbe zu sagen: KI. KI. Und zur Sicherheit noch einmal: KI.


Damit läge ich vermutlich nicht falsch. Kaum eine Tagung, Strategieklausur oder Abschlussfeier kommt noch ohne Diskussionen über Künstliche Intelligenz aus. Die einen warnen vor ihren Risiken, die anderen feiern sie als Lösung für nahezu jedes Problem.


Manchmal erinnert mich die individuelle Meinung zu Koriander und Ingwer: Die einen lieben es, die anderen können nichts damit anfangen – und beide Seiten verstehen oft nicht, warum die jeweils andere so denkt.



KI: Haltung ist wichtiger als Technologie

Doch die spannendere Frage lautet: Warum ist KI mehr als nur der nächste digitale Hype?


In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche technologische Entwicklungen als Revolution angekündigt. Vor wenigen Jahren dominierten Metaverse und NFTs die Diskussionen. Heute sind viele dieser Themen eher in der Kategorie «interessantes Experiment» angekommen. Der Unterschied zwischen einem Hype und einem nachhaltigen Trend lässt sich erstaunlich einfach erklären: Hypes machen neugierig, Trends lösen Probleme.


Genau deshalb spricht vieles dafür, dass KI gekommen ist, um zu bleiben. Menschen nutzen KI nicht, weil sie futuristisch wirkt, sondern weil sie Aufgaben schneller, einfacher oder besser erledigen können. Wer bereits mit ChatGPT, Copilot oder Gemini gearbeitet hat, war mehr als einmal positiv vom Resultat überrascht.


Wie stark KI unseren Berufsalltag und unser Leben langfristig verändern wird, lässt sich heute kaum abschätzen. Für NPO bedeutet das vor allem eines: neugierig bleiben, ausprobieren und lernen. Gleichzeitig greift es zu kurz, KI ausschliesslich als Technologiethema zu betrachten. Tatsächlich ist sie auch ein Stresstest für die eigenen Werte. Die entscheidende Frage lautet nicht:


«Was können wir mit KI machen?»


Sondern:


«Was wollen wir mit KI machen?»


Bevor Organisationen über konkrete Anwendungen entscheiden, sollten sie sich über die Grundsätze verständigen, nach denen KI eingesetzt werden soll. Denn KI beschleunigt nicht nur gute Prozesse, sondern auch schlechte Entscheidungen. Wer ausschliesslich der Effizienz folgt, riskiert, unterwegs die eigenen Werte aus den Augen zu verlieren. Gerade für NPO gilt deshalb: Nicht nur über Tools sprechen, sondern zuerst über Haltung.



Ressourcen: Weitsicht statt Hoffnung

Bei aller Aufmerksamkeit für KI lohnt es sich, die anderen Herausforderungen nicht aus den Augen zu verlieren. Eine persönliche Erinnerung macht dies für mich besonders deutlich. Meine Grossmutter hatte viele Enkelkinder und ein grosses Haus. Vor ihrem Haus befand sich ein ebenerdiger Brunnen. Eines Tages kam die älteste Enkelin tropfnass ins Haus gerannt, gefolgt von einer aufgeregten Schar Cousins und Cousinen. Meine Grossmutter reagierte sofort, kümmerte sich um das durchnässte Kind und beruhigte die Situation. Bis eines der Kinder fragte: «Und die Anna?»


Da wurde klar, dass noch eine weitere Cousine am Brunnenrand hing und Hilfe brauchte. Diese Geschichte kommt mir oft in den Sinn, wenn ich aktuelle Diskussionen verfolge. Während wir intensiv über KI sprechen, stellt sich die Frage: Wer oder was ist unsere Anna? Welche Herausforderungen hängen bereits am Brunnenrand, während unsere Aufmerksamkeit auf andere Themen gerichtet ist?


Eine dieser Herausforderungen betrifft die Ressourcen von NPO – und damit zwei Faktoren, die seit jeher entscheidend sind: Menschen und Geld.


NPO verfügen zwar über einen grossen Vorteil: Sie bieten Sinn, Wirkung und gesellschaftliche Relevanz. Viele Menschen möchten mit ihrer Arbeit etwas bewirken. Das bleibt ein starkes Argument im Wettbewerb um Talente.

Gleichzeitig genügt Sinn allein nicht. Die Konkurrenz um qualifizierte Fachkräfte wird zunehmen – nicht nur in operativen Funktionen, sondern auch in Vorständen, Stiftungsräten und anderen Führungsrollen.


Organisationen werden sich deshalb stärker mit Fragen beschäftigen müssen wie:

  • Warum sollte jemand diese Verantwortung übernehmen?

  • Sind Rollen und Erwartungen klar definiert?

  • Gibt es eine systematische Nachfolgeplanung?

  • Werden neue Führungspersonen ausreichend begleitet?


Ähnliche Überlegungen gelten für die Finanzierung. Viele NPO konnten in den vergangenen Jahrzehnten von steigenden Mitteln profitieren. Heute zeichnet sich ab, dass dieser Rückenwind schwächer wird. Wer weniger Rückenwind hat, muss präziser navigieren.


Deshalb genügt es künftig nicht mehr, lediglich das nächste Budgetjahr zu planen. Entscheidend wird die Frage sein: Wie robust ist unser Geschäftsmodell? Organisationen sollten wissen, welche Finanzierungsquellen kritisch sind und welche Auswirkungen der Ausfall einzelner Einnahmen hätte. Denn Optimismus allein ist keine Finanzstrategie.



Positionierung: Ein bisschen Reibung tut gut

Der dritte Trend betrifft die Positionierung von NPO. Unsere Gesellschaft wird vielfältiger, individueller und fragmentierter. Dadurch steigt die Bedeutung einer klaren Positionierung. Früher reichte es oft, Gutes zu tun. Heute müssen Organisationen zusätzlich erklären können, warum und wie sie handeln.


Denn NPO werden längst nicht mehr automatisch als Teil der Lösung wahrgenommen, sondern manchmal auch als Teil des Problems. Ihre Legitimation wird hinterfragt, ihre Wirkung diskutiert und ihre Finanzierung kritischer betrachtet. Das ist nicht zwingend eine schlechte Entwicklung. Eine Organisation, die nie kritisiert wird, wird häufig auch kaum wahrgenommen.

Positionierung bedeutet deshalb nicht, allen zu gefallen. Positionierung bedeutet, für etwas klar einzustehen und dies so zu kommunizieren, dass es bei den relevanten Anspruchsgruppen ankommt. Dazu braucht es Mut.


Gerade im politischen Umfeld sehen sich viele NPO mit unterschiedlichen Erwartungen und teilweise auch Gegenwind konfrontiert. Während die einen NPO vorwerfen, zu politisch zu agieren, kritisieren andere ihre Unabhängigkeit, wenn NPO nicht den staatlichen Zielen folgen oder gar in Kontrast dazu agieren. Eine klare Positionierung schafft in diesem Umfeld Orientierung. Projekte und Dienstleistungen lassen sich oft kopieren – eine glaubwürdige Positionierung deutlich schwieriger.


Organisationen, die ihre Wirkung, ihre Ziele und ihren Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen präzise beschreiben können, schaffen Vertrauen und erhöhen ihre langfristige Handlungsfähigkeit.



Ausblick

Vielleicht fallen Ihnen noch weitere «Annas» ein – Themen, die heute neben KI ebenfalls Aufmerksamkeit verdienen. Genau darin liegt eine der zentralen Führungsaufgaben der kommenden Jahre: die grossen Trends im Blick zu behalten, ohne die Herausforderungen zu übersehen, die bereits direkt vor uns liegen.

 

 
 
 

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