Weshalb die Förderung von Organisationsentwicklung gerade in Krisenzeiten wichtig ist

Dieser Text erschien ursprünglich am 14.12.2020 im Blog von "The Philanthropist".

Die aktuelle Pandemie gefährdet die existenzielle Grundlage zahlreicher Nonprofit-Organisationen. Sie sind stärker denn je gefordert. Gerade in solchen Krisen kristallisiert sich deutlich heraus, welche Organisationen gut aufgestellt sind und welche nicht. Organisationen, bei denen starre Strukturen dominieren und Flexibilität durch lange Entscheidwege erschwert wird, fällt es schwer, auf die aktuelle Herausforderung zu reagieren.

Auch Förderstiftungen sind gefordert, wenn ihre Förderpartner infolge Corona die vereinbarten Leistungen nicht erbringen und die Stiftungen somit ihre Ziele nicht mehr erreichen können. Es empfiehlt sich, an dieser Stelle die Förderpolitik neu zu überdenken. Beispielsweise lohnt es sich genau hinzuschauen, ob zentrale Förderpartner einen Bedarf an Organisationsentwicklung ausweisen. Wenn dem so ist, sind Stiftungen gut beraten, darauf zu reagieren. An Stelle von oder zusätzlich zu Projektzuschüssen bietet es sich an, in die Organisationsentwicklung ihrer Partner zu investieren. In diesem Blog-Beitrag stelle ich diese Option der Förderung kurz vor.


Abgesehen von der DROSOS Stiftung und der Mercator Stiftung, welche beide schon länger und mit Erfolg in die Stärkung ihrer Partnerorganisationen investieren, sind in der Deutschschweiz nur wenige Stiftungen mit dieser Form der Förderung vertraut. Laut dem ersten Schweizer Grantee Review Report haben 93% der Fördermittel von Stiftungen die Form von Projektzuschüssen. Die aktuelle Krise zeigt nun mit aller Deutlichkeit auf, dass eine erfolgreiche Förderung deutlich über die finanzielle Beteiligung an einer guten Sache hinausgeht.


Um was geht es genau bei der Förderung der Organisationsentwicklung? Ziel ist es, die Organisation als Ganzes leistungsfähiger zu machen. Organisationsentwicklung ist ein Prozess, bei dem die Organisationsstruktur, ihre Kultur, ihre Strategien und Prozesse hinterfragt und neu definiert werden. In der Regel wird dieser Prozess von einer externen Fachperson geleitet. Oft reicht es, einzelne Strategien wie die Kommunikations‑, Netzwerk- oder Fundraisingstrategie neu aufzusetzen. Ein anderer Baustein der Organisationsentwicklung ist das Capacity Building. Hierbei wird das Wissen innerhalb der Organisation zu einem spezifischen Thema wie z.B. Partizipation oder Evaluation gezielt aufgebaut durch interne oder externe Weiterbildungen, Coaching oder Peer Learning. Bei Letzterem geht es darum, dass vergleichbare Organisationen sich über ihre Erfahrungen austauschen und voneinander lernen.


Es muss nicht immer gleich das grosse Paket sein. Peer Learning zum Beispiel kostet wenig und bringt viel. Wichtig ist, dass in einem ersten Schritt gemeinsam mit der Partnerorganisation festgelegt wird, wo genau die zentralen Bedarfe sind und welche davon priorisiert werden sollen.


Es ist erfreulich und vom Timing her perfekt, dass jüngst die Mercator Stiftung zusammen mit vier Stiftungen aus der französischsprachigen Schweiz, welche ebenfalls seit längerem Organisationsentwicklungsprozesse fördern, einen Erfahrungsbericht dazu veröffentlicht haben. Der Titel des Berichts lautet: “Funding Organisational Development: a smart investment to multiply impact”. Die fünf Stiftungen kommen darin einhellig zum Schluss, dass Stiftungen die Wahrscheinlichkeit, ihren eigenen Zweck zu erreichen, massiv erhöhen, wenn sie ihre Förderpartner auf der organisatorischen Ebene stärken. Vernachlässigen sie diese Ebene, gefährden sie ihre eigene Wirkung. Wer mehr zum Thema erfahren will, findet in diesem lesenswerten Bericht zahlreiche Anregungen. Soviel sei zum Schluss noch verraten: Der Bericht hält explizit fest, dass Förderung von Organisationsentwicklung bei Organisationen genauso geschätzt wird wie Projektzuschüsse.

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