Episodic Volunteering – die Zukunft der Freiwilligenarbeit?

Dieser Text erschien ursprünglich am 11.11.2020 im Blog von "The Philanthropist".


Episoden kennt man heute vor allem von den Serien im Fernsehen und auf Netflix, die heute oftmals populärer sind als abendfüllende Filme. Ähnlich sieht die Entwicklung in der Freiwilligenarbeit aus. Langfristige Engagements werden schwieriger zu besetzen, dafür gewinnen kurze Einsätze als Episodic Volunteers an Bedeutung. Ist das das Ende oder die Zukunft der Freiwilligenarbeit?

Besonders an Veranstaltungen im Kultur‑, Sport- oder Sozialbereich trifft man zunehmend Freiwillige an, die sich nur punktuell engagieren. Es wird generell angenommen, dass die Freiwilligenarbeit der Zukunft immer stärker durch Episodic Volunteers gesprägt sein wird. NPO sind gefordert, sich auf deren spezielle Motivation und Bedürfnisse in Zukunft besser einzustellen.


Intrinsisch oder extrinsisch motiviert?

Ein internationales Forschungsprojekt, an dem auch das Center for Philanthropy Studies (CEPS) beteiligt war, widmet sich seit zwei Jahren dem Thema „Episodic Volunteering“ und erforscht die Beweggründe, demographischen Besonderheiten oder Erlebnisse solcher Freiwilligen. Ein Schwerpunkt wurde dabei auf die unterschiedlichen Motive von Episodic Volunteers gelegt. Denn oftmals sind diese an Veranstaltungen oder Orten anzutreffen, wo sie eine direkte Gegenleistung für ihren Einsatz erhalten. Ein Beispiel dafür wären Helfende an einem Musikfestival, wo sie für Aufräumarbeiten, Sicherheitsjobs, und Ticketkontrolle eingesetzt werden, und im Gegenzug dafür freien Zutritt zum Festival haben und sich die Konzerte so gratis anhören können. Erste Ergebnisse zeigen, dass gerade im Kulturbereich gewisse extrinsische Motive ausschlaggebend sind sich zu engagieren. Dazu gehören auch soziale Kontakte, die gepflegt oder neu geknüpft werden können. Im Sozialbereich wurden als Beweggründe für ein freiwilliges Engagement die emotionale Zufriedenheit besonders betont, die dadurch erlangt wird, oder die Möglichkeit, ein Beispiel für andere zu setzen. Dies lässt darauf schliessen, dass je nach Einsatzbereich andere Anreize gesetzt werden sollten.


Vom Episodic zum Regular Volunteer?

Für NPO ist natürlich besonders interessant, wenn jemand durch Episodic Volunteering beginnt, sich öfters freiwillig für diese Organisation zu engagieren; oder zumindest regelmässig an Veranstaltungen aushilft. Dafür haben wir untersucht, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein Episodic Volunteer sich auch in Zukunft vermehrt freiwillig engagiert. Interessanterweise macht ein Freiwilligeneinsatz noch keinen Freiwilligen – nur wenn jemand schon vor dem befristeten Einsatz regelmässig Freiwilligenarbeit geleistet hat, erhöht das die Chancen, dass er/sie sich zukünftig verstärkt engagieren möchte. Es scheint also Personen zu geben, die – vielleicht auch bedingt durch ihre derzeitigen Lebensumstände – eine stärkere Präferenz für zeitlich befristete, punktuelle Einsätze haben, ohne dabei auf den Geschmack des regelmässigen (Aus)Helfens zu kommen. NPO kann es hier helfen, gewisse Informationen zu den soziodemografischen Charakteristiken und Motiven «ihrer» Helfenden zu erheben, um herauszufinden, welche Volunteers sich für welche Art von ihren verfügbaren Einsätzen interessieren, und so gezielter Freiwillige rekrutieren. Durch ein aktives Freiwilligenmanagement können NPO so aus einer erfolgreichen Episode als Freiwilliger eine langfristige Unterstützung gewinnen – so wie auch aus mancher Serie am Ende noch ein abendfüllender Film entstanden ist.

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